Wegen Kritik an Papst Pius XII:
Vatikan boykottiert Holocaust-Gedenken
Von Bettina Marx, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Dunkle Wolken überschatten die Beziehungen zwischen Israel und dem heiligen Stuhl. Denn der apostolische Nuntius in Jerusalem, Antonio Franco, will in diesem Jahr nicht an den offiziellen Gedenkfeiern für die Opfer des Holocaust teilnehmen. Der Botschafter des Vatikan fühlt sich durch eine Bildunterschrift im Museum Yad Vashem beleidigt, in dem die Haltung des Papstes während des Zweiten Weltkriegs als umstritten dargestellt wird. Im Text zu einem Porträt von Papst Pius XII heißt es dort, das Oberhaupt der katholischen Kirche habe nichts getan, um Rassismus und Antisemitismus zu verurteilen.
Historikerin: Bildunterschrift ist gerechtfertigt
Graciela Ben Dror ist Historikerin, die unter anderem an der Universität Haifa Geschichte des Holocaust lehrt und sich vor allem mit der Rolle der Kirche während und nach dem Zweiten Weltkrieg befasst hat. Sie hält die Bildunterschrift in Yad Vashem für völlig passend: "Aus den Dokumenten, die veröffentlicht wurden, wissen wir, dass der Papst während des Krieges geschwiegen hat und ich glaube, die Unterschrift ist wirklich gerechtfertigt."
Der Vatikan selbst habe eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs vorgelegt, aus denen klar hervorgehe, dass der Papst sich nicht ausreichend für die von der Ausrottung bedrohten Juden eingesetzt habe: "Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass es einen Streit unter den Historikern gibt. Das muss niemanden verletzen, das ist einfach eine Tatsache. Es gibt diejenigen, die den Papst verteidigen und sagen, er hat das Höchstmögliche getan und es gibt andere, die sagen, das Schweigen des Papstes zeige, dass ihm das jüdische Volk egal war und dass es dafür Gründe gab."
Nuntius: Beleidigung für ganze katholische Kirche
Botschafter Antonio Franco hingegen erklärte, man könne den Papst nicht im gleichen Atemzug mit Menschen nennen, die sich für das schämen müssten, was sie Juden angetan hätten. Die italienische Zeitung "La Repubblica" zitierte den Nuntius mit den Worten, in der Bildunterschrift in Yad Vashem werde die ganze katholische Kirche beleidigt.
Der Vatikanforscher und frühere israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Yitzchak Minerva, dagegen hält die Bezeichnung "umstritten" für Pius XII. noch für milde. In der Bildunterschrift werde zum Beispiel nichts über das Verhalten der katholischen Kirche nach dem Krieg ausgesagt, als sie vielen Nazis half, nach Südamerika zu entkommen.
Die Weigerung des Vatikan-Botschafters, an der üblichen Gedenkveranstaltung teilzunehmen, stehe in Zusammenhang mit der anstehenden Seligsprechung des Papstes: "Die katholische Kirche versucht seit einigen Jahren, Pius XII. heilig zu sprechen und in dem Moment, in dem er ein Heiliger wird, darf man ihn nicht mehr kritisieren. Die schärfste Kritik an diesem Papst kommt aber aus dem katholischen Lager selbst und das ist, was ihr weh tut. Darum versucht sie, ihn so schnell wie möglich heilig zu sprechen. Der Staat Israel hat sich vor einigen Jahren gegen die Heiligsprechung des Papstes ausgesprochen und es ist gut, dass er das getan hat."
Gedenktag am Montag
Israel begeht den jährlichen Gedenktag für die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden am kommenden Montag. Die Trauerfeiern, die schon am Vorabend beginnen, dauern den ganzen Tag über. Begleitet werden sie von intensiver Berichterstattung in den Medien. Der Gedenktag für die Opfer des Holocaust ist einer der wenigen Tage im Jahr, an denen selbst in der lebenslustigen Stadt Tel Aviv die Restaurants und die Clubs geschlossen sind.
Quelle: Tagesschau
Vatikan boykottiert Holocaust-Gedenken
Grundsätzlich sind die Beziehungen zwischen dem Vatikan und Israel nicht gerade herzlich. Aktuell gibt es neuen Streit: Wegen einer Bildunterschrift im Museum Yad Vashem, in der die Haltung von Papst Pius XII. während des Holocaust als "umstritten" dargestellt wird, will der Vatikan den Holocaust-Gedenktag am Montag boykottieren.
Von Bettina Marx, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
Dunkle Wolken überschatten die Beziehungen zwischen Israel und dem heiligen Stuhl. Denn der apostolische Nuntius in Jerusalem, Antonio Franco, will in diesem Jahr nicht an den offiziellen Gedenkfeiern für die Opfer des Holocaust teilnehmen. Der Botschafter des Vatikan fühlt sich durch eine Bildunterschrift im Museum Yad Vashem beleidigt, in dem die Haltung des Papstes während des Zweiten Weltkriegs als umstritten dargestellt wird. Im Text zu einem Porträt von Papst Pius XII heißt es dort, das Oberhaupt der katholischen Kirche habe nichts getan, um Rassismus und Antisemitismus zu verurteilen.
Historikerin: Bildunterschrift ist gerechtfertigt
Graciela Ben Dror ist Historikerin, die unter anderem an der Universität Haifa Geschichte des Holocaust lehrt und sich vor allem mit der Rolle der Kirche während und nach dem Zweiten Weltkrieg befasst hat. Sie hält die Bildunterschrift in Yad Vashem für völlig passend: "Aus den Dokumenten, die veröffentlicht wurden, wissen wir, dass der Papst während des Krieges geschwiegen hat und ich glaube, die Unterschrift ist wirklich gerechtfertigt."
Der Vatikan selbst habe eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs vorgelegt, aus denen klar hervorgehe, dass der Papst sich nicht ausreichend für die von der Ausrottung bedrohten Juden eingesetzt habe: "Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass es einen Streit unter den Historikern gibt. Das muss niemanden verletzen, das ist einfach eine Tatsache. Es gibt diejenigen, die den Papst verteidigen und sagen, er hat das Höchstmögliche getan und es gibt andere, die sagen, das Schweigen des Papstes zeige, dass ihm das jüdische Volk egal war und dass es dafür Gründe gab."
Nuntius: Beleidigung für ganze katholische Kirche
Botschafter Antonio Franco hingegen erklärte, man könne den Papst nicht im gleichen Atemzug mit Menschen nennen, die sich für das schämen müssten, was sie Juden angetan hätten. Die italienische Zeitung "La Repubblica" zitierte den Nuntius mit den Worten, in der Bildunterschrift in Yad Vashem werde die ganze katholische Kirche beleidigt.
Der Vatikanforscher und frühere israelische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Yitzchak Minerva, dagegen hält die Bezeichnung "umstritten" für Pius XII. noch für milde. In der Bildunterschrift werde zum Beispiel nichts über das Verhalten der katholischen Kirche nach dem Krieg ausgesagt, als sie vielen Nazis half, nach Südamerika zu entkommen.
Die Weigerung des Vatikan-Botschafters, an der üblichen Gedenkveranstaltung teilzunehmen, stehe in Zusammenhang mit der anstehenden Seligsprechung des Papstes: "Die katholische Kirche versucht seit einigen Jahren, Pius XII. heilig zu sprechen und in dem Moment, in dem er ein Heiliger wird, darf man ihn nicht mehr kritisieren. Die schärfste Kritik an diesem Papst kommt aber aus dem katholischen Lager selbst und das ist, was ihr weh tut. Darum versucht sie, ihn so schnell wie möglich heilig zu sprechen. Der Staat Israel hat sich vor einigen Jahren gegen die Heiligsprechung des Papstes ausgesprochen und es ist gut, dass er das getan hat."
Gedenktag am Montag
Israel begeht den jährlichen Gedenktag für die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden am kommenden Montag. Die Trauerfeiern, die schon am Vorabend beginnen, dauern den ganzen Tag über. Begleitet werden sie von intensiver Berichterstattung in den Medien. Der Gedenktag für die Opfer des Holocaust ist einer der wenigen Tage im Jahr, an denen selbst in der lebenslustigen Stadt Tel Aviv die Restaurants und die Clubs geschlossen sind.
Quelle: Tagesschau

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